UniFi Speed und Internet langsam: Warum erreiche ich nicht die volle Leistung meines Anschlusses?

Du hast einen schnellen Anschluss gebucht, aber der Speedtest am UniFi-Gateway zeigt nur einen Bruchteil davon. Meist liegt das nicht am Provider, sondern an Funktionen, die der Router zusätzlich zum reinen Routing erledigt, oder an einem simplen Engpass in der Verkabelung. Hier steht, wie du die Ursache Schritt für Schritt eingrenzt.

Warum bremst mein UniFi-Gateway überhaupt?

Ein Gateway wie die Dream Machine routet Datenpakete nicht nur, sondern prüft, zählt und sortiert sie. Reines Routing läuft bei vielen Modellen über Hardware-Offloading: Der Netzwerkchip leitet Pakete weiter, ohne die CPU zu belasten. Sobald du Funktionen aktivierst, die jedes Paket inspizieren müssen, fällt dieser schnelle Pfad weg, und die CPU wird zum Flaschenneck. Dann bestimmt nicht mehr die Leitung, sondern die Rechenleistung des Geräts den Durchsatz. Welche Funktionen das konkret betrifft und wie stark, hängt vom Modell und der Firmware-Version ab. Die Datenblätter des Herstellers nennen dafür Richtwerte, die du als Orientierung nutzen solltest.

Was machen IDS/IPS und Deep Packet Inspection mit dem Durchsatz?

IDS/IPS (Intrusion Detection/Prevention) vergleicht den Datenverkehr mit Signaturen bekannter Angriffe. Deep Packet Inspection (DPI) erkennt Anwendungen und Clients, damit die Oberfläche Statistiken pro App anzeigen kann. Beides arbeitet auf der CPU und verhindert das Offloading. Bei Gigabit-Anschlüssen ist das der häufigste Grund für einbrechende Werte.

So prüfst du es:

1. Messe zuerst mit aktiviertem IDS/IPS und notiere das Ergebnis. 2. Schalte IDS/IPS in den Einstellungen unter Sicherheit testweise ab und messe erneut. 3. Wiederhole den Test mit deaktivierter DPI.

Springt der Wert deutlich nach oben, hast du den Verursacher gefunden. Dann entscheidest du: Sicherheitsfunktion reduzieren (zum Beispiel weniger Signaturkategorien oder ein niedrigerer Schutzgrad), auf DPI verzichten oder ein stärkeres Gateway einsetzen. Dauerhaft alles abzuschalten ist keine Lösung, wenn du die Schutzfunktion eigentlich brauchst.

Sind Smart Queues schuld, wenn die Geschwindigkeit fehlt?

Smart Queues sind eine Traffic-Shaping-Funktion gegen Bufferbloat, also hohe Latenzen bei ausgelasteter Leitung. Du trägst dafür Down- und Upload-Raten ein, und das Gateway begrenzt den Verkehr aktiv auf diese Werte. Das kostet Rechenleistung und verhindert ebenfalls das Offloading. Außerdem gilt: Trägst du zu niedrige Raten ein, erzeugst du die Bremse selbst.

Prüfe daher:

  • Sind die eingetragenen Raten korrekt, also nahe an dem, was dein Anschluss tatsächlich liefert?
  • Verschwindet das Problem, wenn du Smart Queues testweise deaktivierst?

Smart Queues lohnen sich vor allem bei langsameren Anschlüssen mit spürbarer Latenz unter Last. Bei sehr schnellen Anschlüssen ist der Nutzen oft gering, der Preis in Form von Durchsatz dagegen hoch.

Wie finde ich heraus, ob Kabel oder Ports der Engpass sind?

Bevor du an der Software drehst, schließe die einfachen Fehler aus. Die Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt:

  • Messen am Gateway, nicht per WLAN. Verbinde einen Rechner per Kabel direkt mit dem Gateway oder einem Switch-Port und teste dort. WLAN-Messungen sagen nichts über den Anschluss aus.
  • Portgeschwindigkeit prüfen. In der UniFi-Oberfläche siehst du pro Port die ausgehandelte Verbindung. Steht dort 100 Mbit/s statt 1 Gbit/s, ist meist das Kabel, ein Stecker oder die Dose defekt. Die Ursache ist häufig eine unterbrochene Ader.
  • Kabel tauschen. Teste mit einem kurzen, bekannt guten Patchkabel. Alte Installationskabel mit nur zwei Paaren oder schlecht aufgelegte Dosen begrenzen auf Fast Ethernet.
  • Uplinks beachten. Hängt zwischen Gateway und Rechner ein Switch, ein Powerline-Adapter oder ein älteres Gerät mit 100-Mbit-Port, bestimmt das schwächste Glied die Rate.
  • Anschlüsse über 1 Gbit/s. Hast du einen Tarif oberhalb von Gigabit, brauchst du am WAN und im internen Netz entsprechend schnelle Ports (zum Beispiel 2,5 oder 10 Gbit/s). Ein 1-Gbit-Port begrenzt hier hart.
  • Testserver und Tool wechseln. Ein einzelner Speedtest-Server kann überlastet sein. Miss mit mehreren Servern und gegebenenfalls mit mehreren parallelen Verbindungen.

Zusätzlich hilft ein Test mit dem Rechner direkt am Modem oder an der Glasfaser-Anschlussdose (ONT), sofern dein Provider das zulässt. Erreicht der Rechner dort die volle Rate, liegt der Engpass hinter dem Modem.

Wann ist ein leistungsstärkeres Gateway sinnvoll?

Ein Wechsel lohnt sich, wenn du die Funktionen brauchst, die den Durchsatz drücken, und trotzdem die volle Leitungsrate nutzen willst. Typische Konstellationen:

  • Du willst IDS/IPS dauerhaft aktiv lassen und hast einen Anschluss, den das aktuelle Gerät mit Inspektion nicht schafft.
  • Dein Tarif liegt über 1 Gbit/s und das Gateway hat keine passenden WAN-Ports.
  • Viele Clients, VPN-Tunnel und VLANs belasten die CPU zusätzlich.

Vergleiche vor dem Kauf die Durchsatzangaben des Herstellers für den Betrieb mit IDS/IPS, nicht nur die Werte für reines Routing. Diese Angaben sind Laborwerte, in der Praxis liegen reale Ergebnisse oft darunter. Alternativ kannst du Routing und Sicherheitsfunktionen trennen und die Last auf passende Hardware verteilen.

Wenn du unsicher bist, welche Kombination aus Gateway, Switches und Verkabelung zu deinem Anschluss passt, helfen wir als Fachbetrieb gern bei Planung und Einrichtung.