UniFi WLAN langsam oder instabil: Kanalbreite, Sendeleistung und Roaming richtig einstellen
Wer mehrere UniFi Access Points aufhängt und alles auf „Auto“ lässt, bekommt in dichten Umgebungen oft ein WLAN, das auf dem Papier schnell ist, im Alltag aber stockt, abbricht oder Geräte an weit entfernten Access Points festhält. Die Ursache liegt selten in der Hardware, sondern meist in Kanalbreite, Sendeleistung und Roaming-Einstellungen, die nicht zur Umgebung passen. Dieser Beitrag zeigt, welche Werte Sie im UniFi-Controller prüfen und anpassen sollten und wie Sie Störquellen finden.
Warum sind die Standardeinstellungen oft das Problem?
Die Automatik der Access Points wählt Kanäle und Sendeleistung nach dem Zustand zum Zeitpunkt der Messung. Bei mehreren Access Points führt das häufig dazu, dass jeder Access Point mit hoher Leistung und breitem Kanal sendet. Die Funkzellen überlappen stark, die Geräte sehen mehrere Access Points mit gutem Pegel und die APs stören sich gegenseitig auf demselben Kanal (Co-Channel-Interference). Hinzu kommt: Clients entscheiden selbst, wann sie wechseln. Ein Smartphone bleibt gern an einem Access Point hängen, dessen Signal längst schwach ist, solange die Verbindung noch irgendwie steht.
Mehr Sendeleistung und mehr Bandbreite bedeuten also nicht automatisch mehr Durchsatz. In dichten Installationen ist meist das Gegenteil der Fall.
Welche Kanalbreite ist die richtige: 20, 40 oder 80 MHz?
Als Faustregel gilt: Je mehr Access Points und Nachbarnetze, desto schmaler der Kanal. Im 2,4-GHz-Band gehören 20 MHz fast immer fest eingestellt, da es nur drei überlappungsfreie Kanäle gibt (1, 6, 11). 40 MHz belegt dort praktisch das halbe Band und verschlechtert die Lage für alle.
Im 5-GHz-Band sind 80 MHz bei einem einzelnen Access Point in ländlicher Umgebung sinnvoll. Bei mehreren Access Points im Haus, in Mehrfamilienhäusern oder Büros mit Nachbarnetzen sind 40 MHz oft stabiler und im Gesamtbild schneller, weil mehr getrennte Kanäle zur Verfügung stehen. Breite Kanäle in Verbindung mit DFS-Kanälen können zusätzlich Abbrüche verursachen, wenn Radar erkannt wird und der Access Point den Kanal wechseln muss. Tauchen im Ereignisprotokoll solche Wechsel auf, hilft ein fester Nicht-DFS-Kanal.
Stellen Sie Kanäle und Breite pro Access Point manuell ein, sodass sich benachbarte APs nicht auf demselben Kanal befinden.
Wie stelle ich die Sendeleistung sinnvoll ein?
Die Sendeleistung der Access Points sollte nicht auf „Hoch“ stehen, nur weil es nach mehr Reichweite klingt. Die Clients, vor allem Smartphones und Notebooks, senden mit deutlich weniger Leistung zurück. Hört das Gerät den Access Point laut, kann dieser es umgekehrt aber kaum hören, und die Verbindung wird asymmetrisch und langsam.
Bewährt hat sich in Installationen mit mehreren Access Points: 2,4 GHz auf „Niedrig“ oder „Mittel“, 5 GHz auf „Mittel“. Das 2,4-GHz-Band sollte bewusst kleiner dimensioniert sein als das 5-GHz-Band, damit Geräte bevorzugt auf 5 GHz gehen. Prüfen Sie danach mit einem Gerät, das Sie durch das Gebäude tragen, ob es noch Funklöcher gibt. Reicht die Abdeckung nicht, ist meist ein zusätzlicher Access Point an einer besseren Stelle die bessere Lösung als mehr Leistung.
Wie beseitige ich Roaming-Probleme?
Hier helfen mehrere Einstellungen zusammen, die Sie je WLAN-Netz bzw. Access Point im Controller finden (je nach Version unter den erweiterten WLAN-Einstellungen):
- Minimum RSSI: Der Access Point wirft Clients aus, deren Signal unter einen Schwellwert fällt, und zwingt sie so zur Neuwahl. Beginnen Sie vorsichtig mit einem mittleren Wert und testen Sie. Zu aggressive Werte erzeugen Abbrüche an den Zellrändern.
- Fast Roaming (802.11r): Beschleunigt den Wechsel, kann aber ältere oder einfache Geräte (z. B. manche IoT-Geräte, Drucker) an der Verbindung hindern. Wenn einzelne Geräte nicht mehr verbinden, testen Sie ein separates SSID ohne Fast Roaming.
- Band Steering: Lenkt Geräte vom 2,4- auf das 5-GHz-Band. Das hilft bei Geräten, die sonst am langsamen Band hängen bleiben.
- BSS Transition (802.11v) und Roaming-Unterstützung (802.11k): Geben den Clients Hinweise, welcher Access Point besser passt. Die Clients entscheiden aber weiterhin selbst.
Ändern Sie immer nur eine Einstellung auf einmal und testen Sie danach, sonst wissen Sie nicht, was gewirkt hat. Verwenden Sie außerdem dieselbe SSID und Sicherheitseinstellung auf allen Access Points, sonst gibt es kein Roaming.
Wie finde ich Störquellen mit dem WiFi-Scanner?
Im UniFi-Controller zeigt der WiFi-Scanner (am Access Point im Gerätedetail) die Kanalbelegung in der Umgebung, also Nachbarnetze und deren Pegel. Damit sehen Sie, welche Kanäle überfüllt sind. Die Statistiken je Access Point und Client liefern weitere Hinweise: hohe Wiederholungsraten (Retries) und eine hohe Kanalauslastung deuten auf Interferenz oder zu viele Geräte hin, ein schlechtes Signal-Rausch-Verhältnis auf Störungen oder zu große Entfernung.
Typische Störquellen außerhalb von WLAN sind Babyfone, Funkkameras, Mikrowellen und schlecht geschirmte USB-3-Geräte in der Nähe von 2,4-GHz-Geräten. Schalten Sie verdächtige Geräte testweise ab und beobachten Sie die Auslastung. Prüfen Sie auch das Kabel: Ein Uplink, der nur mit 100 Mbit/s verhandelt oder Fehler zeigt, bremst den Access Point aus, egal wie gut das Funkfeld ist.
Checkliste: Typische Fehlkonfigurationen
- 2,4 GHz mit 40 MHz Kanalbreite
- Alle Access Points auf „Hoch“ und demselben Kanal
- 80 MHz bei dichter Nachbarschaft oder vielen Access Points
- DFS-Kanäle mit häufigen Kanalwechseln im Protokoll
- Unterschiedliche SSIDs oder Sicherheitseinstellungen je Access Point
- Zu aggressiver Min-RSSI-Wert oder Fast Roaming bei inkompatiblen Geräten
- Access Points zu dicht beieinander oder hinter Metall, Beton und Schaltschrank montiert
- Uplink mit schlechtem Kabel oder nur 100 Mbit/s
- Alte Geräte mit niedrigen Datenraten, die das ganze Funkfeld ausbremsen
Wenn Sie nach diesen Schritten weiterhin Probleme haben oder Ihre Installation vorab planen möchten, hilft Ihnen unser Fachbetrieb gern bei der Auswahl und Einrichtung.